Hermeneutik

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Inhaltsverzeichnis

Was ist Hermeneutik?

● Griech. „ερμηνευω“ =deuten, auslegen, erklären /übersetzen

Nehemia 8

(06) Esra pries den Herrn, den großen Gott, und alle riefen mit erhobenen Händen: "Amen, Amen!" Dann warfen sie sich vor dem Herrn nieder, mit dem Gesicht zu Boden. (07) Die Leviten [ ...] legten den Versammelten das Gesetz aus. (08) Die vorgelesenen Abschnitte übersetzten sie aus dem Hebräischen in die aramäische Umgangssprache und erklärten das Gesetz, damit das Volk es wirklich verstehen konnte. (09) Als die Menschen hörten, was im Gesetz stand, begannen sie zu weinen. Aber der Statthalter Nehemia, der Priester und Schriftgelehrte Esra und die Leviten, die das Gesetz auslegten, ermutigten sie: „Seid nicht traurig und weint nicht! Heute ist ein Festtag; er gehört dem Herrn, eurem Gott!“


Kommunikation

● Wenn man davon ausgeht, dass Gott durch sein Wort – die Bibel – mit uns redet, dann müssen wir uns erst einmal über das Thema Kommunikation unterhalten.

● Deshalb erläutere ich das anhand des klassischen Kommunikationsmodelles.


Kommunikationsmodell
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Kommunikationsmodell


Im bezug auf die Bibel sieht das erst einmal wie folgt aus:

Kommunikationsmodell-bibel
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Kommunikationsmodell-bibel

Zur Erklärung:

Die "Nachricht" ist ein Bibeltext.

Jener Text hat einen bestimmten "Sender", z.B. Paulus, Mose, Jesaja ... welcher den text verfasst hat. Gott hat die Bibel ja nicht vom Himmel fallen lassen.. sondern er inspirierte Menschen, bestimmte Texte zu schreiben. Diese Menschen waren aber keine "Roboter" oder "Zombies" ohne Verstand..

Desweiteren hat jeder Text zunächst einen oder mehrere konkrete Empfänger. Z.B. "die Gemeinde in Rom" oder "das Volk Israel" .. oder anderes..

Nun gehen wir aber davon aus, dass Gott durch einen Bibeltext zu mir reden kann.

Wie funktioniert das also?

Zunächst spricht Gott indirekt über den Verfasser zu den ursprünglichen Empfängern.

Doch er spricht auch indirekt zu mir.

Genau darum geht es beim Thema "biblische Hermeneutik"


Verschiedene "einfache" hermeneutische Ansätze und ihre Probleme..

„Alle Bibelstellen müssen gleich behandelt werden“

● Bsp.: Hat eine Passage aus den Stammtafeln der Chronik-Bücher den gleichen Stellenwert wie z.B. Joh 3:16 ?

Noch ein Beispiel:

Dt 22,5: „eine Frau soll keine Männerkleidung und ein Mann keine Frauenkleidung tragen“.

Viele Gemeinden sagen daher, eine Frau müsse einen Rock tragen.. oder zumindest Damenhosen..

Aber was dann mit z.B. Dt 21,18-21? (zusammengefasst: „ein störrischer Sohn soll von den Ältesten einer Stadt gesteinigt werden...“)

Warum die eine Stelle wörtlich, die andere nicht? Der Kontext ist an jener Stelle der selbe.

--> Mit welcher Argumentation kann man denn rechtfertigen, dass das eine einzuhalten sei, das andere aber nicht?

Sollte ich die Bibel wörtlich nehmen?

Mt 5,30:

„Und wenn deine rechte Hand dir Anlaß zur Sünde gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir! Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“

--> verstümmeln für Jesus?


1.Tim2,8: „ich will nun, dass die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben ...“

--> muss man beim Beten die Hände hochheben?


„Zum Auslegen ist der Heilige Geist notwendig“

● (wird mit 1. Kor 2,6-16; vor allem vers 14, begründet)

6 Auch wir verkünden tiefsinnige Weisheit - für alle, die dafür reif sind. Aber das ist nicht die Weisheit dieser Welt und auch nicht die ihrer Machthaber, die zum Untergang bestimmt sind. 7 Vielmehr verkünden wir Gottes geheimnisvolle Weisheit, die bis jetzt verborgen war. Schon bevor Gott die Welt erschuf, hatte er den Plan gefasst, uns an seiner Herrlichkeit Anteil zu geben. 8 Aber keiner von den Machthabern dieser Welt konnte Gottes weisheitsvollen Plan durchschauen. Sonst hätten sie den Herrn, der die Herrlichkeit Gottes teilt, nicht ans Kreuz gebracht. 9 Es heißt ja in den Heiligen Schriften: »Was kein Auge jemals gesehen und kein Ohr gehört hat, worauf kein Mensch jemals gekommen ist, das hält Gott bereit für die, die ihn lieben.«  10 Uns hat Gott dieses Geheimnis enthüllt durch seinen Geist, den er uns gegeben hat. Denn der Geist erforscht alles, auch die geheimsten Absichten Gottes. 11 Wie die Gedanken eines Menschen nur seinem eigenen Geist bekannt sind, so weiß auch nur der Geist Gottes, was in Gott vorgeht. 12 Wir haben aber nicht den Geist dieser Welt erhalten, sondern den Geist, der von Gott kommt. Darum können wir erkennen, was Gott uns geschenkt hat. 13 Davon reden wir nicht in Worten, wie sie menschliche Weisheit lehrt, sondern in Worten, die der Geist Gottes eingibt. Von dem, was Gott uns durch seinen Geist offenbart, reden wir so, wie sein Geist es uns lehrt. 14 Menschen, die sich auf ihre natürlichen Fähigkeiten verlassen, lehnen ab, was der Geist Gottes enthüllt. Es kommt ihnen unsinnig vor. Sie können nichts damit anfangen, weil es nur mit Hilfe des Geistes beurteilt werden kann. 15 Wer dagegen den Geist hat, kann über alles urteilen, aber nicht von jemand beurteilt werden, der den Geist nicht hat. 16 Es heißt ja in den Heiligen Schriften: »Wer kennt denGeist des Herrn? Wer will sich herausnehmen, ihn zu belehren?« Und das ist der Geist, den wir empfangen haben: der Geist von Christus, dem Herrn.


● Problem:

– sicherlich kann man aber auch ohne HG viele Dinge verstehen.

– Aber: Was versteht man denn genau „zusätzlich“ durch den HG? Und wie funktioniert das?

--> Gefahr der rein subjektiven Beurteilung

--> nicht nachvollziehbar!

...trotzdem hilft der HG natürlich beim Auslegen, wenn wir das wollen.

Aber Gott hat uns ja auch unsern Verstand gegeben. Wenn das Mist gewesen wäre hätte er sich das ja sparen können.


(Ps 111,10a) Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang. (!!!)

„Brauchen wir mehr Informationen von woanders her, um die Bibel richtig auszulegen?“

Oft nicht,

aber manchmal ist es hilfreich... manchmal sogar notwendig.

1.Kor 16,22: „wenn jemand den Herrn nicht liebhat, der sei Anathema. Maranatha.“

In einer guten Bibelübersetzung sind manche notwerndigen Zusatzinfos schon enthalten...) aber auch ohne Zusatzinfos kann man die Stellen, die wichtig sind in Sachen Heil, eigentlich verstehen...


Nachforschen erlaubt?

Nur ein Beispiel aus der Bibel..

Apg 17:

10 Noch in der Nacht brachten die Brüder Paulus und Silas auf den Weg nach Beröa. Auch dort gingen die beiden bei der ersten Gelegenheit in die Synagoge. 11 Die Juden in Beröa waren aufgeschlossener als die in Thessalonich. Sie nahmen die Botschaft mit großer Bereitwilligkeit auf und studierten täglich die Heiligen Schriften, um zu sehen, ob das, was Paulus sagte, auch zutraf. 12 Viele von ihnen kamen zum Glauben, auch viele einflussreiche Griechen, Frauen wie Männer.

„der HG fügt immer verschiedne Bibelstellen zusammen“

Diese Methode ist eine schlechte Methode.

Woher weiß ich, dass wirklich der HG am Werk ist?

Und vor allem.. woher weiß ich das bei anderen?

Woher weiß ich, dass es nicht einfach meine eigene Willkür ist – mein Wunschdenken?

Man könnte diese Methode auch als „Bibelbastelbogen-Methode“ bezeichnen.

Sehr zu empfehlen jedenfalls, wenn man eine seltsame Sekte gründen will.. Wenn man verschiedene Stellen aus dem Zusammenhang reißt und irgendwie wieder zusammenpflastert – damit kann man (fast) alles begründen..


Kann ich die Bibel überhaupt ohne Ursprachenkenntnisse richtig verstehen?

● Sprachkenntnisse sind natürlich hilfreich..

● Aber auch ohne geht es! Logisch..

● Eine gute Bibelübersetzung hilft dir, die Bibel richtig zu verstehen und birgt nur wenig mögliche Mißverständnisse

● Auch der Vergleich versch. Übersetzungen hilft dir.. achte auf Unterschiede.. versuche herauszufinden, woher diese kommen...


Was beeinflusst mich beim Lesen der Bibel

● Eigene Voraussetzungen

– Theologie

– Vaterbild/Elternhaus

– Verletzungen

– Politische Ansichten

– Philosophie/ Weltanschauung

– Kultur

– ....

Theologie

● Theologie ist im Prinzip das Grundgerüst.. eine Art Skelett

● Es ist die Summe der Dinge, die du bisher verstanden hast

● Ist dieses Grundgerüst sehr dürftig, kommst du leichter zu „Fehl-Erkenntnissen“

● Ist dieses Grundgerüst in irgend einer Weise „stark beschädigt“ ists genauso

● Bibellesen beeinflusst deine „Theologie“ und umgekehrt.


Vaterbild/Elternhaus

● Was du in deiner Familie erlebst, beeinflusst dein Verständnis von Gott und von der Bibel

● Hast du z.B. einen strengen Vater, werden dir Bibelstellen, in denen Gott streng erscheint, besonders auffallen..

● Wurdest du z.B. zum Bibellesen gezwungen, werden dir vermutlich sämtliche Bibeltexte stets zum Halse heraushängen.. „das Wort“ wird nicht „lebendig“

Verletzungen

● Alles was dir widerfahren ist, beeinflusst dein Textverständnis

● In schwereren Fällen ist Seelsorge angeraten..

● (hierbei kann die Bibel auch sehr hilfreich sein)


Politische Ansichten

● Dein Bild von Gesellschaft, Werten und Normen beeinflusst deine Sicht der Bibel

● Bist du z.B. Anti-Rassist, wirst du vermutlich mit Texten Probleme haben, in denen Gott an seinem auserwählten Volk handelt..

● Bist du z.B. „reicher Kapitalist“, werden dir Bibelstellen, die von „Segen durch Wohlstand“ handeln, besonders gut gefallen .. Reichtumkritische Stellen wirst du vermutlich nicht wahrnehmen wollen oder umdeuten..


Kultur

● Alles, was du „kulturell“ mitbringst, fließt in dein Bibelverständnis ein

● z.B. wenn du aus einer „streng patriarchalischen“ Kultur kommst, wird es dir ein leichtes sein, verschiedene Bibelstellen zur Unterdrückung von Frauen zu mißbrauchen


....

● Es gibt noch viele andere Faktoren..

● Hinterfrage dich!

● Schau dir einfach an, was deine „hermeneutische Brille“ beeinflusst .. oder sogar trübt.


Die gegenseitige Beeinflussung

● ... auch bekannt unter dem Begriff „hermeneutischer Zirkel“

Der Hermeneutische Zirkel

Hermeneutik-zirkel
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Hermeneutik-zirkel

Zur Erläuterung:


Die Bibel ist natürlich das Ausgangsmaterial.

Diese wird von Menschen gelsen und ausgelegt.

Einige dieser Ausleger waren bzw. sind sehr bedeutend. Sie prägen die Auslegungstradition. Kurz gesagt beduetet Auslegungstradition: "andere Menschen, die bestimmte Bibelstellen auslegen".

Desweiteren bin da noch "ich selber". Ich lese einen Bibeltext. Sobald ich versuche, so eine "Abfolge von Buchstaben" auch noch zu verstehen, betreibe ich automatisch "Hermeneutik".


populäre Überbetonungen/Unterbetonungen

Um den "hermeneutischen Zirkel" besser zu verstehen, illustriere ich dies nun anhand von Beispielen populärer Überbetonungen.

"klassische katholische Überbetonung"

Hermeneutik-zirkel-kath
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Hermeneutik-zirkel-kath

Zur Erklärung:

Zunächst einmal gibt es geschichtliche Gründe für diese Überbetonung.

Das Problem war, dass in den Anfängen des Christentumes es sehr viele Menschen gab, die die Bibel "aufs geradewohl" auslegten.

Es gab Probleme mit Irrlehren und Sektenbildung..

So sagte man sich, "es müssen Auslegungsregeln her - nicht jeder kann mit der Bibel machen was man will"..

Also band man die Auslegung der Bibel an Glaubensbekenntnisse (regula fidei) der frühen Kirche. Jede Auslegung, die diesen Glaubensregeln widersprach, wurde verworfen.

Das war damals zunächst eine sinnvolle Sache.

Doch in späterer Zeit sprach man dem Otto-Normalchristen immer mehr die Fähigkeit ab, die Bibel wirklich selber verstehen zu können.

Auslegung musste mehr und mehr durch "Experten" bzw. "Gelehrte" geschehen, der Einzelne durfte dies nicht .. er könnte ja was falsch verstehen..

In noch späterer Zeit kam es sogar vor, dass das Bibellesen nur noch "Eingeweihten" erlaubt war.


Diese Art der Überbetonung findet man übrigens oft auch in sehr autoritäten Gemeinden.. a la "nur der/die Leiter dürfen die Bibel auslegen.. das normale Gemeindeschaf ist dumm und versteht die Bibel völlig falsch."


"klassische evangelische Überbetonung"

Hermeneutik-zirkel-evg
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Hermeneutik-zirkel-evg

Zur Erläuterung: Auch hierfür gibt es geschichtliche Gründe.

Mitte des letzten Jahrtausends gab es in den damaligen Geisteswissenschaften einen Aufbruch.

Man wollte nicht mehr die Lehrmeinungen anderer Gelehrter reflektieren .. sondern man wollte sich zunächst erst einmal selbst mit den Quellen auseinadersetzen.. "Ad fontes" war der dazugehörige Gelehrten-Schlachtruf.

Die Reformation bestand zu wesentlichen Teilen darin, dass man wieder damit begann, selber Bibel zu lesen und die vorgegebenen lehrmeinungen der Kirche zur Auslegung erst einmal zu ignorieren. Man betonte, dass auch "Otto-Normalchrist" die Bibel lesen und verstehen kann und sollte.

In der weiteren Entwicklung der Aufklärungszeit kam es mehr und mehr dazu, dass man den eigenen Verstand zum Maß aller Dinge erhob.. das ist nicht unbedingt immer positiv.

In der liberalen Theologie ist dies nun meist gang und gäbe.. (andererseits gibts auch hier wieder eine Überbetonung, die ehrer an die "katholische Überbetonung" erinnert.. "so wie Professor xy die Bibel auseinander genommen und verworfen hat, ist es nun Standard")

Ebenso tun dies die meisten modernen Menschen, wenn sie selber Bibel lesen. day wird oft nicht darauf geachtet, wie andere einen bestimmte Stelle sehen, sondern man beurteilt diese Stelle nur anhand des eigenen Verstandes.


Ebenso typisch ist diese Überbetonung für sogenannte "Einzelkämpferchristen", welche "die Wahrheit gepachtet" haben und keine anderen Meinungen bzw. Korrektur gelten lassen wollen.


"moderne fastfood-Glauben-Überbetonung"

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Nun zu einer weit verbreiteten Überbetonung, wie man sie (leider) nur allzuoft findet.

Diese Überbetonung ist genau genommen keine Überbetonung, sondern eine Unterbetonung.

heutzutage wird man aus irgendwelchen Gründen einfach zu faul, die Bibel selbst zu lesen.

das führt dazu, dass man sich nur noch über Drittpersonen mit der Bibel ausenander setzt. Meist weiß man nicht einmal, inwiefern das, was sie von sich geben, aus der Bibel stammt.

Es ist im Prinzip der "katholischen Überbetonung" ganz ähnlich, nur dass man sich freiwillig in diese Abhängigkeit von Lehrautorität begibt..


Zu finden ist diese Art der Überbetonung auch im damaligen Phartisäertum. Doch das hatte andere Ursachen und ist schon eher zu rechtfertigen.

Viele konnten nicht lesen.

Und Schriftrollen waren damals verdammt selten und teuer..

Man war einfach abhängig von Schriftgelehrten. Es ging nicht anders.



Ergebnis

● Das eigene Verständnis beeinflusst die Sicht auf die Bibel. Die Bibel beeinflusst mein Verständnis

● Die Auslegungstradition beeinflusst die Sicht auf die Bibel. Die Bibel beeinflusst die Auslegungstradition.

● Ich werde beeinflusst durch die Auslegungstradition – aber ich beeinflusse auch die zukünftige Auslegungstradition.

● Es kommt auf ein ausgewogenes Verhältnis an.


Eine Methodik

● 1.) Welche Methodik kann man denn nun anwenden?

● 2.) Ist es wirklich so kompliziert, dass Gott in meinen Alltag hineinspricht?


Zuerst zu 2.) Warum so kompliziert?

● Antwort:

– Nein. Es ist oft gar nicht so kompliziert.

– Oft versteht man Sachen sofort.

– Aber: ein wenig Sorgfalt schadet nix!

– Und: man kann mit guter Methodik auch etwas aus schwierigeren Bibeltexten für sich „herausholen“

– Und: bei Anwendung einer sauberen Methodik wird die Gefahr von derben Mißverständnissen geringer..


Nun zu 1.) Eine Methodik

● Zuerst schauen wir uns nochmal eine Grafik von vorhin an.

Es kommt auf den Pfeil "Bibeltext --> ich" an. Allerdings kommen wir um dieses "Sender- Nachricht - Empfänger" -Schema nicht herum.

Hermeneutik-kommunikationsmodell-bibel-sender-empfaenger
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Hermeneutik-kommunikationsmodell-bibel-sender-empfaenger



● Worauf kommt es an?


Also..... 1. Schritt.

● Zuerst einmal machen wir folgendes NICHT:

– Den Bibeltext aus dem Zusammenhang reißen.

● Sondern wir schauen uns das mal genauer an, und versuchen, soviel wie möglich in Erfahrung zu bringen:

Wer hat was wann und wo geschrieben, an wen und warum? Wie wurde etwas geschrieben?

– Was war der Hintergrund?

– Hat das heute noch uneingeschränkt direkt für uns Gültigkeit? (meistens nämlich nicht so direkt .. aber..!)

● Hierbei gilt es, so sorgfältig wie möglich zu arbeiten.

..weiter...2. Schritt...

● Nachdem wir uns angeschaut haben, was da steht, müssten wir folgende Frage beantworten können:

– Ist das, was da steht ein „klares allgemeingültiges Prinzip“ oder nicht?

● Folgendes Schema soll uns dann bei der „Weiterverarbeitung“ helfen ...

Ausgangspunkt:

Bibeltext

Ziel:

Klares Prinzip


was liegt vor?

Klares Prinzip? --> schon fertig

Anwendung?

wie ist diese begründet?

Allgemeingültige Begründung? --> klares Prinzip ableiten

Kulturbezogege Begründung?

--> Grund erkennen! --> klares Prinzip ableiten


Grafisch sieht das so aus:

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Und nun ?? Dritter (sehr wichtiger) Schritt

Ich habe also ein klares Prinzip Gottes in einem Bibeltext erkannt.

Merken!

Jetzt kommt der letzte und allerwichtigste Schritt...

ANWENDEN!! Sonst ist das alles für die Katz.



Ergänzungen..

– Hermeneutische Prinzipien

- Troubleshooting

– Werkzeuge

Hermeneutische Prinzipien

● Sola scriptura

● Vom Leichten zum Schweren

● Vom Ursprung nach außen

● Die Summe des Wortes ist Wahrheit

● Vom Charakter Gottes her denken

Sola scriptura

● ...bedeutet: Die Bibel legt sich selber aus

● Mit anderen Worten: Viele Dinge kannst du mittels anderer Bibelstellen auslegen.

● Offensichtlichstes Beispiel: Gleichnis vom Sämann, Mt 13. Noch im selben Kapitel wird durch Jesus höchstpersönlich die Auslegung geliefert

Herauslesen, nicht hineinlesen

– Miss deine Erfahrungen anhand der Bibel – und nicht umgekehrt! (sehr beliebter Fehler..)

– Deute nicht „irgendwas“ in einen Text hinein, auch wenn es manchmal was logisches ist..

– Für Deutungen von Texten muss die Bibel selber den Schlüssel liefern (Bsp.: Exodus - Taufe)

– Solche Deutungsschlüssel sind nicht immer allgemeingültig. Bsp.: Sauerteig


Nicht von der (eigenen) Tradition her auslegen

– Bsp.:

● Martin Luther .. durchbrach kirchl. Tradition und löste damit Reformation aus.

● Geistesgaben: gibt es sie heute noch oder nicht? (1.Kor 13..“ alles ist Stückwerk und wird vergehen“ - sind die Geistesgaben mit der Vollendung der Bibel hinfällig geworden oder nicht? Ist mit "das Vollkommene" unbedingt und nur die Bibel gemeint?)

Vom Leichten zum Schweren

● Einige Bibelstellen sind schwierig zu verstehen

– Manche sind ganz und gar unverständlich bzw. höchst umstritten! (aufgrund Zeit- und Kulturabstand..)

– Manches erschließt sich später von selbst

● Wenn du was nicht verstehst, versuche es mittels des bisher eindeutig Verstandenen zu begreifen

● Halte dich nicht zu sehr mit schwierigen Stellen auf!

● „Was mich an der Bibel stört, sind nicht die Teile, die ich nicht verstehe, sondern diejenigen, die ich kapiere.“ soll Mark Twain gesagt haben.


Vom Zentrum nach außen

● In der Bibel gibt es zentrale Themen, und es gibt eher unbedeutende Themen

● Lerne, dies voneinander zu unterscheiden!

● Ein guter Maßstab hierbei ist das apostolische Glaubensbekenntnis..

● ..im Prinzip ist alles, was „heilsnotwendig“ ist, zentral. (Liebe, Gnade, Allmacht Gottes, Heiligkeit.. usw..)

● Anderes ist untergeordnet,

– z.B. die Frage, ob Frauen in der Gemeinde leiten dürfen oder nicht.

● Beschäftige dich zuerst mit den zentralen Sachen!


Von vorne nach hinten

● Was ist Gottes ursprünglicher Wille?

● Wie hat sich die Beziehung Gottt-Mensch entwickelt?

● Wie reiht sich etwas in Gottes Offenbarung ein?


Die Summe des Wortes ist Wahrheit

● Viele Aussagen der Bibel sind Teilaussagen.

● Sie sind zwar wahr, aber unvollständig.

● Manchmal wirken Aussagen auf den ersten Blick widersprüchlich – doch nur zusammen ergeben sie erst wirklich Sinn!

Phil 2,12.13: „Also, meine Lieben, - [...] -schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern.

(13) Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen“


● Noch ein Beispiel:

Epheser / Kapitel 5

21 Ordnet euch einander unter; so ehrt ihr Christus.

22 So wie ihr Frauen Christus gehorcht, sollt ihr euch euern Männern unterordnen.

● Tip: gesamtbiblischer denken...


Vom Charakter Gottes her denken

● Gott ist der Ursprung der Bibel (wenngleich er sie „nur“ inspiriert hat und nicht selbst geschrieben hat..)

● Deshalb sind Bibelstellen von Gottes Charakter aus zu interpretieren.

Gottes Charakter:

– Gott ist Liebe (1.Joh 4,8.16)

– Gott ist gerecht (Ps 7,11)

● Wie passt diese oder jene Stelle zum Charakter Gottes?


Troubleshooting...

F: Hilfe!! Das ist mir alles viel zu kompliziert! Ich will doch einfach nur Bibel lesen und sie verstehen!

A: DON'T PANIC! - Keine Panik!

ganz viele Stellen sind klar und verständlich – auch ohne Notwendigkeit eines Tiefer-Schürfens.

ergo: lies einfach.. aber beschäftige dich einfach mal bei Gelegenheit mit dem Thema Hermeneutik..


F: Ich verstehe eine bestimmte Bibelstelle nicht!

A: Mach dir irgendwo ne Notiz, und lies erst mal weiter. Kann sein, dass du es später einfach so verstehst.. bzw. kannst du dich ja mal später, wenn du Bock hast, noch mal eingehend mit dem problem beschäftigen.

Manche Bibelstellen sind nun mal so schwierig, dass es kaum der Mühe wert ist, eine sinnvolle Bedeutung herauszufinden.. manches kann man aufgrund der großen Abstände auch gar nicht mehr herausfinden. Das ist nun mal so. Basta.


F: Jetzt bin ich aber schlau. Weiß ich nun alles zu dem Thema?

A: NEIN. Bei weitem nicht.

dies war nur eine kurze Einführung.. jeden einzelnen Punkt kann man noch viel viel ausführlicher behandeln..

immerhin.. als Einführung war es ganz brauchbar (hoffe ich!)

ich weiß, dass ich nichts weiß“ - Sokrates


F: Stimmt das denn alles, was hier steht?

A: Ich hoffe – aber ich übernehme keinerlei Garantie.

Wahr ist allein die Bibel.

Gebrauche deinen Verstand. Andere Leute sind zu verschiedensten Themen unterschiedlicher Meinung. Lerne zu unterscheiden.

Prüfet alles, das Gute behaltet.“ (1. Thess 5,21)

Werkzeuge

● Die Bibel

● Der Verstand

● Der Heilige Geist

● Nachschlagewerke

● Internet


Die Bibel

● Ohne Bibel geht es nicht

● Am besten: mehrere unterschiedliche Übersetzungen haben, z.B.:

– Gute Nachricht, Hoffnung für alle, Neue Genfer Übersetzung (alle „kommunikativ“)

– Elberfelder (wortgetreu)

– Luther, Einheitsübersetzung, Menge (so zwischendrin und alle drei gut)


● Nimm eine Übersetzung, mit der du gut zurecht kommst bzw. die dir liegt.

● Denn: DIE beste Übersetzung gibt es nicht..

● Von Vorteil sind ein paar eingebaute „Studierhilfen“

..Querverweise

..gute Zwischenüberschriften

..kurze Einleitungen zu den einzelnen Büchern

..ein guter Anhang mit Register, Worterklärungen, Karten


● Und dann: RTFB! (read the funky bible!)

● Es ist nämlich wichtig, die Bibel im Zusammenhang zu kennen!


Der Verstand

● Gebrauche ihn! Dazu hast du ihn von Gott bekommen.

● Jesus machte das auch so..

Lukas / Kapitel 2 46 Endlich, nach drei Tagen, entdeckten sie Jesus im Tempel. Er saß bei den Schriftgelehrten, hörte ihnen aufmerksam zu und stellte Fragen. 47 Alle wunderten sich über sein Wissen und seine Antworten.

--> Stelle Fragen.

● Gute Fragen:

– Was bedeutete ein Text im ursprünglichen Zusammenhang?

– Was will Gott damit zum Ausdruck bringen?

– Was bedeutet dies für mein Leben?


(grafik einfügen!!)


Der Heilige Geist

● Ohne HG kannst du vieles verstehen.

● Aber mit HG ists noch besser.. freu dich, wenn er beginnt, in deinem Verstand sein Wirken zu entfalten.

● Was der HG macht, ist nachprüfbar und steht nicht im Widerspruch zur Bibel.

● Freue dich, wenn du einfach so etwas kapierst, was andere ganz lange nicht verstanden hatten..

● Du erkennst sein Wirken unter anderem daran, dass dir auf einmal „die Schrift geöffnet“ wird.. die Buchstaben werden auf einmal lebendig..

1.Thessalonicher / Kapitel 5 19 Laßt den Heiligen Geist ungehindert in euch wirken!

20 Hört auf das, was er euch sagt!

21 Prüft alles sorgfältig, und behaltet nur das Gute!


Nachschlagewerke

● Hier gibt es Zahlreiches..

- Konkordanzen

- Synopsen (zu den Evangelien. Syxnopsen sind eine Art "harmonisierte Darstellung")

– Kommentare

– Einleitungswerke

– Bibellexika

– Bibl. Wörterbücher /Begriffslexika

– Bibelatlas

– Bücher zum Umfeld („Umwelt“, „Zeitgeschichte“)

● Solches ist nur „Beiwerk“! Die Bibel ist weitaus wichtiger! Nachschlagewerke können irren..

Internet

http://www.bibleserver.com

http://de.wikipedia.org

http://www.google.de (Google ist zwar keine saubere Quelle, aber Google ist (manchmal) dein Freund)

● Über google hab ich schon so manch interessante Seite zu bestimmten Themen gefunden.. und auch Portale.. das Internet ist für Recherchen manchmal äußerst nützlich..

● Allerdings besteht die Gefahr, dass man Material bekommt, was „schlecht“ ist.. wenn man sich nicht auskennt.. (z.B. liberaltheologisches und „Sektenzeug“)

Persönliche Werkzeuge